Karl Marx. DAS KAPITAL / Drittes Kapitel: Das Geld oder die Warenzirkulation

Aus dem Widerspruch der Ware – sie ist zugleich Gebrauchswert und Wert – hat sich die Verdopplung der Ware in Ware und Geld notwendig ergeben. Erst diese Verdopplung ermöglicht einen dem Wert adäquaten Ausdruck. Die Ware realisiert ihren Wert, bewährt sich als Vergegenständlichung gesellschaftlicher Arbeitszeit, in Beziehung auf die Ware, der gegenüber der restlichen Warenwelt eine besondere Stellung zukommt – Geld.
Die Kategorien der Warenzirkulation sind daher immer auch zugleich Funktionen des Geldes selbst. An diesen Funktionen lässt sich zeigen, dass sich die über das Geld vermittelte Warenzirkulation dem Geld als Selbstzweck unterordnet.

1. Maß der Werte
„Die erste Funktion des Goldes besteht darin, der Warenwelt das Material ihres Wertausdrucks zu liefern oder die Warenwerte als gleichnamige Größen, qualitativ gleiche und quantitativ vergleichbare, darzustellen. So funktioniert es als allgemeines Maß der Werte, und nur durch diese Funktion wird Gold, die spezifische Äquivalentware, zunächst Geld.“ ( S. 109 )

Im Geld drücken also die Waren ihre gemeinsame Qualität – Wertsein – aus. Schon in der einfachen Wertform – x Ware A = y Geldware – kann nun die einzelne Ware ihren Wert gesellschaftlich gültig ausdrücken. Der Wertausdruck einer Ware in Geld heißt ihre Geldform oder ihr Preis. Bei diesem handelt es sich um eine „nur ideelle oder vorgestellte Form.“ ( S. 110 )
Durch den allgemein gültigen Wertausdruck in der Geldware ist nun die Möglichkeit einer fixierten Maßeinheit gegeben: durch das Quantum Gold ( Gewicht ) welches als Geld für eine Ware gegeben wird können die einzelnen Preise gemessen und verglichen werden – Maßstab der Preise. Hier fungiert das Geld zunächst einmal nur als Rechengeld.
„Als Maß der Werte und als Maßstab der Preise verrichtet das Geld zwei ganz verschiedne Funktionen. Maß der Werte ist es als die gesellschaftliche Inkarnation der menschlichen Arbeit, Maßstab der Preise als ein festgesetztes Metallgewicht. Als Wertmaß dient es dazu, die Werte der bunt verschiednen Waren in Preise zu verwandeln, in vorgestellte Goldquanta; als Maßstab der Preise mißt es diese Goldquanta.“ ( S. 113 )
Hierbei ist es dann vollkommen egal ob der Wert der Geldware selbst sich verändert: die Relation eines Geldquantums zu einem anderen wird davon in keiner Weise betroffen.
In der Preisform ist die Ware nur ideell Repräsentant von Geld; sie drückt aus, dass sie von Geld gekauft werden kann; vergoldet ist sie damit allerdings noch lange nicht. Um sich als Wertding zu bewähren erfordert es der Realisierung, die Ware muss sich in Geld verwandeln: „Im ideellen Maß der Werte lauert daher das harte Geld.“ ( S. 118 )
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Geld als Selbstzweck (I): Es gehört zur größten Selbstverständlichkeit in der bürgerlichen Gesellschaft andauernd und immerzu sämtliche Gegenstände daraufhin zu beurteilen wie viel Geld sie denn wert seien. Waren treten nicht anders in die Welt als preisbestimmt und der Reichtum einer Person wird nicht etwa dahingehend beurteilt wie weit es mit der Bedürfnisbefriedigung ist, sondern in einer Summe Geld angegeben. Dies ist auch nicht verwunderlich, bestimmt doch das Geld den Grad der Freiheit, die man sich auf dem Markt herausnehmen kann. Die einzelnen Waren sind also nur Mittel, um an Geld heranzukommen. Hier ist kein obskurer Idealismus am Werk, sondern der harte Materialismus des Privateigentums. Was immer jemand genießen und zur Verfügung haben möchte – er muss es mit Geld bezahlen, da das Gewünschte jemand anderem gehört. Der gesellschaftliche Zwangszusammenhang, die wechsel- und allseitige Abhängigkeit der einzelnen Privatpersonen stellt sich dar im Geld. Und jedes Individuum trägt diesen, seinen Zusammenhang mit der Gesellschaft und somit seine gesellschaftliche Macht in der Tasche mit sich herum – oder eben auch nicht …
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2. Zirkulationsmittel
a) Die Metamorphosen der Waren
Die Ware bewährt sich als Ware, indem sie sich in Geld verwandelt, übergeht von der Waren- in die Geldform. Dies geschieht im Austauschprozess, welcher den gesellschaftlichen Stoffwechsel ( W-G-W ) vermittelt. Dort „treten die Waren als Gebrauchswerte dem Geld als Tauschwert gegenüber. Andrerseits sind beide Seiten des Gegensatzes Waren, also Einheiten von Gebrauchswert und Wert. Aber diese Einheit von Unterschieden stellt sich auf jedem der beiden Pole umgekehrt dar und stellt dadurch zugleich deren Wechselbeziehung dar. Die Ware ist reell Gebrauchswert, ihr Wertsein erscheint nur ideell im Preis, der sie auf das gegenüberstehende Gold als ihre reelle Wertgestalt bezieht. Umgekehrt gilt das Goldmaterial nur als Wertmateriatur, Geld. Es ist reell daher Tauschwert. Sein Gebrauchswert erscheint nur noch ideell in der Reihe der relativen Wertausdrücke, worin es sich auf die gegenüberstehenden Waren als den Umkreis seiner reellen Gebrauchsgestalten bezieht. Diese gegensätzlichen Formen der Waren sind die wirklichen Bewegungsformen ihres Austauschprozesses.“ ( S. 119 ) In der ersten Metamorphose der Ware – W-G, Verkauf – dient diese ihrem Besitzer nicht als Gebrauchswert, sondern als Tauschwert. Diese Eigenschaft erhält sie allerdings nur in der Form des Geldes, welches sich in fremder Tasche befindet. Um sich in dieses umsetzen zu können muss der Warenbesitzer an seiner Ware also Arbeit in gesellschaftlich nützlicher Form verausgabt haben – Gebrauchswert für andere geschaffen haben. Ob sich die Ware allerdings als Glied der gesellschaftlichen Arbeitsteilung bewährt steht nicht fest – ‚Salto mortale’ der Ware. Am altbekannten Leinwandweber zeigt Marx wie die naturwüchsige (1) Arbeitsteilung, also die Konkurrenz, sich hinter dem Rücken der Produzenten geltend macht, deren Arbeit dann eben durchaus auch vergebene Liebesmühe gewesen sein kann.
In der zweiten oder Schlussmetamorphose – G-W, Kauf – realisiert sich Geld als die absolut veräußerliche Ware. Weil es sich bei ihm um die entäußerte Gestalt aller Waren handelt ist es gültige gesellschaftliche Zugriffsmacht auf den stofflichen Reichtum. Bei ihm handelt es sich – gesetz den Fall es ist in ausreichender Menge vorhanden – um die Möglichkeit aller Bedürfnisse. Zugleich ist es in seiner Funktion als abstrakter Reichtum die Realität von keinem. Als Endpunkt des Verkaufs ist es zugleich Ausgangspunkt des Kaufes.
Im Gesamtprozess der Warenzirkulation verschlingen sich dann die einzelnen Gesamtmetamorphosen der jeweiligen Waren – W-G-W – unentwirrbar untereinander. Als Vermittler der Warenzirkulation ist Geld Zirkulationsmittel. Dieser Gesamtprozess, der sich dergestalt darstellt, dass „die Unabhängigkeit der Personen voneinander sich in einem System allseitiger sachlicher Abhängigkeit ergänzt“ ( S. 122 ), hat mit dem unmittelbaren Produktenaustausch nichts mehr zu tun. Er „sprengt die zeitlichen, örtlichen und individuellen Schranken des Produktenaustausches“ ( S. 127 ). Durch die Trennung von Verkauf und Kauf enthält dieser Prozess einen Ruhepunkt im Geld – Möglichkeit der Krise.
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Geld als Selbstzweck (II): In seiner Funktion als Zirkulationsmittel ist das Geld keinesfalls neutraler Mittler des Händewechsels der Waren, als allgültiges und alleiniges Mittel für den Erwerb von Gütern stellt es keinen Dienst an der Konsumtion dar. Vielmehr ist es die zentrale Bedingung und somit Schranke, von deren Erfüllung das Gelingen von W-G-W abhängt. Mit Kauf und Verkauf auf dem Markt sind alle Konsumtionsbedürfnisse dem Geld unterworfen. Was zählt ist nicht mehr die Bedürftigkeit sondern die Zahlungsfähigkeit.
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b) Der Umlauf des Geldes
Die Analyse der Warenzirkulation hat ergeben, dass die Ware nur die erste Metamorphose selbst durchführt; die zweite wird vom Geld, in das sie verwandelt ist, vollzogen. Das Geld wird somit zum selbständigen Element der Zirkulation, obwohl es doch eigentlich nur Vermittler derselben sein soll.
„Jede Ware, bei ihrem ersten Schritt in die Zirkulation, bei ihrem ersten Formwechsel, fällt aus der Zirkulation heraus, in welche stets neue Ware eintritt. Das Geld dagegen als Zirkulationsmittel haust beständig in der Zirkulationssphäre und treibt sich beständig in ihr um.“ ( S. 131 )
Aus seiner Funktion als beständiges Element in der Zirkulation und diese Vermittelndes ergeben sich Gesetzmäßigkeiten des Geldumlaufs. Maßgebliche Frage hierbei ist, wie viel Geld vorhanden sein muss. Dies bestimmt sich durch Preissumme, zirkulierende Warenmasse und Umlaufgeschwindigkeit des Geldes.

c) Die Münze. Das Wertzeichen
Im Prozess der Zirkulation ist das Geld immer nur Durchgangsstadium im Formwechsel der Ware. Die einzelne Ware muss zwar ihren Preis im Geld realisieren, setzt sich dann aber im Kauf sofort wieder in einen konkreten Gebrauchswert um, streift also ihre Gestalt als allgemeines Äquivalent wieder ab. Das Geld ist nur Vermittler dieses Prozesses. Die Münze, mit welcher die Waren sich austauschen,
„funktioniert fortwährend als Zirkulationsmittel und existiert daher ausschließlich als Träger dieser Funktion. Ihre Bewegung stellt also nur das fortwährende Ineinanderumschlagen der entgegengesetzten Prozesse der Warenmetamorphose W – G – W dar, worin der Ware ihre Wertgestalt nur gegenübertritt, um sofort wieder zu verschwinden. Die selbständige Darstellung des Tauschwerts der Ware ist hier nur flüchtiges Moment.“ ( S. 143 )
In dieser Funktion repräsentiert das Geld nur Geld, es kann also durch Symbole, Wertzeichen, ersetzt werden. Als Zirkulationsmittel erfährt das Geld eine Idealisierung. Dies deutet sich bereits im Verschleiß der Goldmünzen, der Scheidung von deren Real- und Nominalgehalt an:
„Nur soweit innerhalb des Prozesses das Goldgeld selbst bloß Zeichen seines eigenen Werts ist, können bloße Wertzeichen es ersetzen.“ ( MEW 13 / S. 95 )
Neben der Ausgabe von Silber- oder Kupfermünzen ist auch die Ausgabe von reinem Papiergeld möglich. Bei diesem tritt nun der rein symbolische Charakter offen zutage. Seine Ausgabe darf die Minimalmasse des als Zirkulationsmittel fungierenden Goldes nicht überschreiten. Tritt dies ein, so verhält es sich so, als ob es einen Wertverfall bei der Geldware Gold gegeben hätte.
Die Sicherung der Gültigkeit der in Umlauf gebrachten Geldzeichen übernimmt der Staat:
„Nur bedarf das Zeichen des Geldes seiner eignen objektiv gesellschaftlichen Gültigkeit, und diese erhält das Papiersymbol durch den Zwangskurs.“ ( S. 143 )
Zur Durchsetzung der Repräsentationsleistung des Papiergeldes ist also – wie bereits bei der Durchsetzung des Eigentums (2) – ein gehöriges Maß an Gewalt von Nöten.

3. Geld

„Die Ware, welche als Wertmaß und daher auch, leiblich oder durch Stellvertreter, als Zirkulationsmittel funktioniert, ist Geld. Gold (resp. Silber) ist daher Geld. Als Geld funktioniert es, einerseits wo es in seiner goldnen (resp. silbernen) Leiblichkeit erscheinen muß, daher als Geldware, also weder bloß ideell, wie im Wertmaß, noch repräsentationsfähig, wie im Zirkulationsmittel; andrerseits wo seine Funktion, ob es selbe nun in eigner Person oder durch Stellvertreter vollziehe, es als alleinige Wertgestalt oder allein adäquates Dasein des Tauschwerts allen andren Waren als bloßen Gebrauchswerten gegenüber fixiert.“ ( S. 143f )
Als Maß der Werte war das Geld der Zirkulation nur ideell vorausgesetzt, in der Form des Zirkulationsmittels erschien es nur als bloßes Mittel in der Bewegung W-G-W. Erst in seinen Funktionen als Geld ist das Gold das wirkliche „materielle Dasein des abstrakten Reichtums.“ ( MEW 13 / S. 102 )

a) Schatz – Geld als Selbstzweck (III)
Die erste Form, in der Geld als wirkliches Geld vorliegt ist als festgehaltenes Resultat des Verkaufs – Schatz. Im Schatz liegt die Bewahrung der Möglichkeit, an der Zirkulation teilzunehmen:
„Mit mehr entwickelter Warenproduktion muß jeder Warenproduzent sich den nervus rerum, das »gesellschaftliche Faustpfand« sichern. Seine Bedürfnisse erneuern sich unaufhörlich und gebieten unaufhörlichen Kauf fremder Ware, während Produktion und Verkauf seiner eignen Ware Zeit kosten und von Zufällen abhängen. (3) Um zu kaufen, ohne zu verkaufen, muß er vorher verkauft haben, ohne zu kaufen.“ ( S. 145 )
Um sich die Möglichkeit einer späteren Teilhabe an der Zirkulation offen zu halten behält der Schatzbildner also den allgemeinen Repräsentanten des Reichtums, eben das Geld, zurück. Er versichert sich die Möglichkeit der Befriedigung seiner Bedürfnisse gerade durch den Verzicht eben dieser. Der Schatzbildner „opfert daher dem Goldfetisch seine Fleischeslust. Er macht Ernst mit dem Evangelium der Entsagung.“ ( S. 147 ) (4)
Da bei der Schatzbildung der Tauschwert selbst zum Zweck von Produktion und Verkauf geworden ist, die gesellschaftlich Form des Reichtums also selbst zum Bedürfnis geworden ist, ist die Vermehrung des Schatzes notwendige Konsequenz. Gerade auch deshalb, weil das angehäufte Geld als bestimmte Quantität eben auch nur stofflichem Reichtum in der entsprechenden Menge entspricht. Der Schatzbildner praktiziert den „Widerspruch zwischen der quantitativen Schranke und der qualitativen Schrankenlosigkeit des Geldes.“ ( S. 147 ) (5)

b) Zahlungsmittel – Geld als Selbstzweck (IV)

„Mit der Entwicklung der Warenzirkulation entwickeln sich jedoch Verhältnisse, wodurch die Veräußerung der Ware von der Realisierung ihres Preises zeitlich getrennt wird. Es genügt, die einfachsten dieser Verhältnisse hier anzudeuten. Die eine Warenart erheischt längere, die andere kürzere Zeitdauer zu ihrer Produktion. Die Produktion verschiedner Waren ist an verschiedne Jahreszeiten geknüpft. Die eine Ware wird auf ihrem Marktplatz geboren, die andre muß zu entferntem Markt reisen. Der eine Warenbesitzer kann daher als Verkäufer auftreten, bevor der andre als Käufer. […] Der eine Warenbesitzer verkauft vorhandne Ware, der andre kauft als bloßer Repräsentant von Geld oder als Repräsentant von künftigem Gelde. Der Verkäufer wird Gläubiger, der Käufer Schuldner. Da die Metamorphose der Ware oder die Entwicklung ihrer Wertform sich hier verändert, erhält auch das Geld eine andre Funktion. Es wird Zahlungsmittel.“ ( S. 149 )

Da in solch entwickelten Verhältnissen Kauf und Zahlung zeitlich getrennt vonstatten gehen wirkt das Geld, dort wo es in die Zirkulation eingeht, nicht mehr als Kauf- sondern als Zahlungsmittel. Es vermittelt den Austauschprozess nicht mehr, es schließt ihn selbständig ab. Und um als Abschluss eines solchen längst vollzogenen Austauschprozesses dienen zu können muss eine Ware dann auch ausdrücklich für den Zweck Geld zu realisieren verkauft worden sein:
„Der Verkäufer verwandelte Ware in Geld, um ein Bedürfnis durch das Geld zu befriedigen, der Schatzbildner, um die Ware in Geldform zu präservieren, der schuldige Käufer, um zahlen zu können.“ ( S. 150 )
Im Gegensatz zum Schatz ist Geld in dieser Form also nicht außerhalb, sondern innerhalb der Zirkulation Selbstzweck. Die Veränderung der Form der Warenzirkulation zeitigt auch Wirkungen bei der Beziehung ihrer Agenten untereinander – Verkäufer wird Gläubiger, Käufer Schuldner. Und:
„Wenn der Warenbesitzer als Hüter des Schatzes eher eine komische Figur spielte, wird er nun schrecklich, indem er nicht sich selbst, sondern seinen Nächsten als Dasein einer bestimmten Geldsumme auffaßt und nicht sich, sondern ihn zum Märtyrer des Tauschwerts macht. Aus einem Gläubigen wird er zum Gläubiger, aus der Religion fällt er in die Jurisprudenz.“ ( MEW 13 / S. 117 )
Mit der Schuld hält der Gläubiger nun einen Zwangstitel gegen den Schuldner in der Hand.

Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel schließ die Möglichkeit der Krise mit ein – Geldkrise; die Störungen in der Zirkulation erscheinen als Geldmangel:
„Mit allgemeineren Störungen dieses Mechanismus, woher sie immer entspringen mögen, schlägt das Geld plötzlich und unvermittelt um aus der nur ideellen Gestalt des Rechengeldes in hartes Geld. Es wird unersetzlich durch profane Waren. Der Gebrauchswert der Ware wird wertlos, und ihr Wert verschwindet vor seiner eignen Wertform. […] In der Krise wird der Gegensatz zwischen der Ware und ihrer Wertgestalt, dem Geld, bis zum absoluten Widerspruch gesteigert. Die Erscheinungsform des Geldes ist hier daher auch gleichgültig. Die Geldhungersnot bleibt dieselbe, ob in Gold oder Kreditgeld, Banknoten etwa, zu zahlen ist.“ ( S. 152 )

Mit der Entwicklung der Funktion des Geldes als Zahlungsmittel findet eine Trennung von Warenzirkulation und Geldumlauf statt. Ersterer kann nun in Form von Verträgen in einem System der gegenseitigen Abhängigkeiten von Gläubigern und Schuldnern vollziehen. Heben sich die wechselseitigen Schuldforderungen auf ist keine Geldzahlung notwendig. Nur zur Begleichung der übrig bleibenden Schulden ist dies weiterhin nötig – Schatzbildung zur Zahlungsfähigkeit bei Schulden.

c) Weltgeld

Als Weltgeld schließlich fungiert das Geld auf dem Weltmarkt, es tritt aus den Schranken der inneren Zirkulation der Nationen hinaus. Hier „funktioniert [es] als allgemeines Zahlungsmittel, allgemeines Kaufmittel und absolut gesellschaftliche Materiatur des Reichtums überhaupt (universal wealth).“ ( S. 157 ) Erst hier entspricht es seinem Begriff Zugriffsmacht auf den gesamten Reichtum der Gesellschaften zu sein.

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Es hat sich gezeigt, dass das Geld und seine Vermehrung der Zweck von Wareproduktion- und Zirkulation ist. Die Herstellung und Verteilung nützlicher Güter – Gebrauchswerte – ordnet sich dem Wert in seiner gültigen Gestalt und dessen Verwertung unter. Dann allerdings ist das Geld auch vergegenständlichtes Kommando über die lebendige Arbeit – Kapital.

(1) ,Naturwüchsig’ bitte nicht mit ‚natürlich’ verwechseln. Marx nutzt diesen Begriff immer dann wenn er auf einen nicht planmäßig durchgeführten Prozess verweisen will. ‚Natürlich’ ist an einem gesellschaftlichen Verhältnis rein gar nichts.
(2) Es kann gar nicht oft genug erwähnt werden, dass die eigentümlichen Gesetzmäßigkeiten und Sachzwänge der ganzen ökonomischen Scheiße auf einem politischen Gewaltverhältnis beruhen. Der Staat macht seinen Zwang zum Zwang der Sachen.
(3) Vgl. oben den ‚Salto mortale’ der Ware
(4) „Unser Schatzbildner erscheint als Märtyrer des Tauschwerts, heiliger Asket auf dem Gipfel der Metallsäule. Es ist ihm nur um den Reichtum in seiner gesellschaftlichen Form zu tun, und darum vergräbt er ihn vor der Gesellschaft. Er verlangt die Ware in ihrer stets zirkulationsfähigen Form, und darum entzieht er sie der Zirkulation. Er schwärmt für den Tauschwert, und darum tauscht er nicht aus. Die flüssige Form des Reichtums und sein Petrefakt, Elixier des Lebens und Stein der Weisen, spuken alchimistisch toll durcheinander. In seiner eingebildeten schrankenlosen Genußsucht entsagt er allem Genüsse. Weil er alle gesellschaftlichen Bedürfnisse befriedigen will, befriedigt er kaum die natürliche Notdurft. Indem er den Reichtum in seiner metallischen Leiblichkeit festhält, verdunstet er ihn zum bloßen Hirngespinst. In der Tat aber ist das Aufhäufen des Geldes um des Geldes willen die barbarische Form der Produktion um der Produktion willen, d.h. Entwicklung der Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit hinaus über die Schranken herkömmlicher Bedürfnisse.“ ( MEW 13 / S. 111)
(5) Nur kurz angedeutet: unser herrliches Gemeinwesen kennt eine ganze Klasse, die von Staats wegen dazu gezwungen wird Schatzbildner zu sein – Sozialversicherungspflicht. Soviel ist der politischen Gewalt von eben jener Ökonomie, die sie durch die Gewährung des und Verpflichtung auf das Privateigentum in die Welt setzt, nämlich allemal bekannt: dass der Lohn der so genannten Arbeitnehmer ein dermaßen schlechtes Lebensmittel ist, dass man Lohnabhängige mit Hilfe von Zwangsversicherungen zu dem Glück verdonnern muss im Fall der Fälle zumindest ein bisschen versorgt zu sein.