Proseminar: Texte zum tieferen Verständnis des Marxschen Kapitals
Student: Javier Martínez Fernandes
Institut für Philosophie
FU Berlin

Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses (S. 441-469d)

Die Verwandlung von Geld in Kapital – Erste Annäherung bei Abstraktion der Gebrauchswertsebene
S.459: Ausgang des unmittelbaren Produktionsprozesses: Geld nur noch als Summe von Tauschwerten; deshalb als “provisorische” Form des Kapitals, d.h. als noch sich in Kapital zu Verwandelndes bzw. nur dunámei Kapital.
Bedingungen für diese Verwandlung:
Mensch = Warenbesitzer
Ding = Ware
Wesen dieser Verwandlung – worin besteht sie? „Diese Wertsumme wird also dadurch Kapital, dass ihre Grösse sich vergrössert, dass sie sich in eine wechselnde Grösse verwandelt.“ Verwertung als Wesen des Kapitals.
S. 460: Erklärung dieser Verwandlung – wie ist sie überhaupt möglich? Damit der Prozess der Vergrösserung stattfinden kann, ist es notwendig, dass mindestens ein Teil dieser Geldsumme bzw. dieses Werts sich in eine Wertgröße verwandelt (bzw. gegen sie getauscht wird), die ihrerseits wachstumsfähig ist. Diese Größe kann wegen dieser Fähigkeit lebendige Arbeit (= wachsender Wert) genannt werden, im Gegensatz zu allen anderen Wertsummen, die nicht wachsen können.
Wichtige Bemerkung: Marx fängt also mit einer rein vom Standpunkt des Tauschwerts ausgeführten Betrachtung an, d.h.: sowohl das zu Verwandelnde (Geldsumme = Wertgröße) als auch die Verwandlung (Schöpfung oder Wachstum von Wertgröße) werden vorerst bei völliger Abstraktion des Gebrauchswerts behandelt. Deswegen bleibt fürs Erste völlig unbestimmt, welcher Gebrauchswert fähig zum Wachstum ist.

Die Verwandlung von Geld in Kapital – Die zwei Ebenen des Produktionsprozesses
A. Der reale bzw. wirkliche Arbeitsprozess (der Produktionsprozess sub specie des Gebrauchswerts betrachtet):
S. 461-462: Die zwei durch die Natur des realen Arbeitsprozesses bestimmten Unterscheidungen:
- Produktionsmittel werden entweder verwandelt in das Produkt (Arbeitsgegenstand) oder benutzt, um diese Verwandlung zu vollbringen (Arbeitsmittel).
- Beide Arten Produktionsmittel sind objektive Produktions- bzw. Arbeitsbedingungen und stehen den subjektiven Produktions- bzw. Arbeitsbedingungen (dem Arbeitsvermögen) gegenüber. Hier wird zum ersten Mal das Arbeitsvermögen als lebendige Arbeit, d.h. als wachstumsfähiger Gebrauchswert bestimmt.
S. 462-464: Die zwei durch die Natur des realen Arbeitsprozesses bestimmten fetischistichen Verkehrungen:
- Obwohl sowohl die subjektiven als auch die objektiven Produktionsbedingungen nötig für die Verwertung sind, trotzdem wird das Arbeitsvermögen in der realen Ausführung der Produktion vom Arbeiter und nicht vom Kapitalisten angewandt. Daher der Schein, als würde das Arbeitsvermögen nicht dem Kapitalisten gehören. Deshalb scheint das Kapital nur aus Produktionsmitteln zu bestehen und dadurch wird noch dazu der Schein ermöglicht, das Kapital habe eine rein dingliche, nicht gesellschaftliche Natur.
- Der in Arbeitslohn ausgelegte Teil des Kapitals wird gegen Lebensmittel getauscht, die jedoch keine Rolle im Produktionsprozess spielen; während der restliche Teil gegen Produktionsmittel getauscht wird. Auch dieser Unterschied führt dazu, dass der Arbeitslohn nicht als ein Teil des Kapitals angesehen wird.

B. Der Verwertungsprozess:
S. 464-465: Die Bedingungen der Verwertung:
- Der Wert der Produktionsmittel darf nicht größer sein als nötig (d.h.: sie dürfen nicht mehr als die zu ihrer Produktion gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit enthalten) und sie müssen möglichst produktiv konsumiert werden (d.h. mindestens nach den gesellschaftlichen Maßstäben von Produktivität).
- Der Wert des Arbeitsvermögens muss durch seinen Gebrauch nicht nur ersetzt werden, sondern es muss ein Überschuss (Surplusarbeit, Mehrwert) über diesem Wert stattfinden.
S. 465: Die zwei durch die Natur des Verwertungsprozesses bedingten Modifikationen des realen Arbeitsprozesses:
- Die Produktionsmittel müssen in einer Masse vorhanden sein, die hinreichend ist nicht nur für die Absorption der zu ersetzenden Arbeit, sondern auch für die Absorption der Surplusarbeit.
- Die Intensivität und Extension der Arbeit werden ausgedehnt zwecks der Steigerung der Verwertung.
S. 465-467: Die durch die Natur des Verwertungsprozesses bestimmte, nicht-fetischistische Verkehrung: Weil der Verwertungsprozess das Wesen und der Trieb des allgemeinen Produktionsprozesses ist und somit der reale Arbeitsprozess als bloßes Mittel des Verwertungsprozesses anzusehen ist, deshalb wird der Produktionsprozess nicht durch die lebendige Arbeit des Subjekts, sondern durch das sich selbstverwertende Kapital bestimmt – Entfremdungsprozess der Arbeit.

Fetischismus des Produktionsprozesses
S. 469a-469d: Die fetischistische Verkehrung des kapitalistischen Produktionsprozesses:
Sowohl die Vulgärökonomen (Bastiat) als auch die Klassiker (Ricardo, Stuart Mill) sind unfähig, das Kapital als gesellschaftliches Verhältnis zwischen Kapitalisten und Proletariern aufzufassen. Kapital ist für sie der Inbegriff der Produktionsmittel, sobald sie als solche gebraucht werden, d.h.: alles, was zur Produktion benutzt werden kann und solange es zu diesem Zweck benutzt wird. Statt einer gesellschaftlichen Bestimmung bekommt das Kapital auf diese Weise eine bloß subjektive. Deswegen kann Wayland behaupten, dasselbe Leder sei zugleich Kapital und Produkt: Es ist Kapital für den Schumacher, der das Leder zur Produktion benutzt; es ist Produkt für den Gerber, der mit dem Leder nichts produzieren will.