Siebentes Kapitel
Die Rate des Mehrwerts
Die Verwertung von „vorgeschossenem“ Kapital lässt sich nach Marx dadurch ausdrücken, dass der Produktwert des geschaffenen Produkts Wertsumme seiner Produktionselemente ist. Das bedeutet zuerst, dass das Kapital sich dabei aus Produktionsmitteln und Kosten für die Arbeitskraft aufteilt. Dies lässt sich in der Gleichung C= c + v
darstellen. In dieser Gleichung steht dabei C für das Kapital, dass dem Produktionsprozess zugrunde liegen muss und sich in eben jene Teile aufteilt die vorher als konstantes Kapital c und als variables Kapital v ausgedrückt wurden. Und da mit dem variablen Kapital v Arbeit Teil des Produktionsprozesses ist, unterliegt dieser Prozess einer Verwertung in welcher sich C zu C’ entwickelt. Die Differenz zwischen beiden entsteht durch eben jenen Verwertungsprozess der Arbeit enthält und dadurch Mehrwert produziert. Dies lässt sich mit der Gleichung
C’ = c + v +m
ausdrücken. Im Endeffekt lässt sich die Differenz im Verwertungsprozess durch den Mehrwert ausdrücken. Marx betont dabei, dass es tatsächlich egal ist, wie hoch oder wie niedrig die Kosten des konstanten Kapitals sind, die im Produktionsprozess auftreten, da schließlich der Wert des konstanten Kapitals sich auf das geschaffene Produkt überträgt und nicht wertschaffend sei. Anschaulicher wird dieser Gedanke dabei unter der Annahme, wenn man keine Kosten für das konstante Kapital hätte weil man z.B. nur auf naturvorhandene Stoffe zurückgreifen kann. Dann besteht der Produktwert nur noch aus dem variablen Kapital bzw. dem aus dieser Arbeit gewonnenen Mehrwert.
Die einzige Notwendigkeit, die sich im Produktionsprozess ergibt, ist die, dass die zur Produktion notwendigen Rohstoffe ausreichend vorhanden sind. Ausreichend heißt im diesem Zusammenhang, dass dem Produktionsprozess soviel Rohstoffe zur Verfügung stehen, dass mit ihr soviel Arbeit verwertet werden kann, damit das zu produzierende Produkt entstehen kann (MEW S.229).
Ausschlaggebend für den Verwertungsprozess ist also letztendlich das Verhältnis zwischen Mehrwert und variablen Kapital. Mit dem variablen Kapital drückt sich dabei das Kapital aus, welches notwendig ist um die Arbeitskraft zu erhalten bzw. zu reproduzieren. Für den Arbeiter ist das die notwendige Arbeitszeit und die Arbeit, die in dieser Zeit geleistet wird, ist die notwendige Arbeit. Notwendigkeit leitet sich nach Marx dabei von dem Umstand ab, dass diese Arbeit unabhängig von der gesellschaftlichen Form von Arbeit ist bzw. das Kapital darauf angewiesen ist. Alles was der Arbeiter über diese notwendige Arbeit hinaus verrichtet, ist wertbildend für den Mehrwert, jedoch ohne Wert für den Arbeiter. Marx sagt dazu: „So entscheidend es für die Erkenntnis des Werts überhaupt, ihn als bloße Gerinnung von Arbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Arbeit, so entscheidend ist es für die Erkenntnis des Mehrwert, ihn als bloße Gerinnung von Surplusarbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Mehrarbeit zu begreifen.“ (MEW S.231) Durch die Bestimmung der notwendigen Arbeit durch das variable Kapital und der im Verhältnis stehenden zu leistenden Mehrarbeit ergibt sich für Marx die Rate des Mehrwerts. Diese lässt sich auch über die Gleichung
m / v = Mehrarbeit / Notwendige Arbeit
ausdrücken. Die Mehrwertrate steht dabei für den „Exploitationsgrad der Arbeitskraft durch das Kapital oder des Arbeiters durch den Kapitalisten“(MEW S.232) Dieser steht zuletzt in Verbindung mit der absoluten Größe seiner Arbeitszeit- dem Arbeitstag, da dieser sich schließlich aus Summe der notwendigen Arbeitszeit zur Reproduktion und der damit verbundenen Mehrarbeit zusammensetzt.