Marx- Das Kapital Erster Band
Sechstes Kapitel

Konstantes Kapital und Variables Kapital

Um aus dem Tauschprozess G-W-G einen Prozess zu erhalten der einer Verwertung unterliegt und somit aus G-W-G’ eine Vermehrung von Kapital zu ermöglichen, ist es notwendig, dass Arbeit Teil des Produktionsprozesses ist. Somit muss der Produktionsprozess eine Einheit aus Arbeits- und Wertbildungsprozess sein.
Dazu ist es notwendig zu schauen welche Prozesse am Produktionsprozess teilnehmen und Einfluss auf den Produktwert haben.
Einfluss auf den Produktwert erhält man einmal dadurch, dass ein Arbeiter durch Zusatz eines bestimmten Quantums an Arbeit diese Arbeit dem Produkt zusetzt, andererseits dadurch, dass bestimmte Produktionsmittel bzw. Rohstoffe mit in die Produktion einfließen. Der Wert, den diese Produktionsmittel besitzen, überträgt sich dabei auf das Produkt in dem Maße wie es sich relational zur Produktion verhält. Wird ein Stoff komplett aufgebraucht in der Produktion, so überträgt sich der komplette Wert des Stoffes auf das geschaffene Produkt. Z.B. der Wert der Baumwolle überträgt sich auf das produzierte Garn. Wenn nur ein Teil des Stoffes verbraucht wird, überträgt sich dementsprechend auch nur ein Teil des Wertes nämlich genau in dem Verhältnis wie es verbraucht wird. Als Beispiel: wenn man nur einen halben Baum zu Regalen verarbeitet, dann steckt in den produzierten Regalen der Wert des halben Baums der verarbeitet wurde. Der Wert des anderen halben Baumes besteht weiterhin als Gebrauchswert eines halben Baumes.
Notwendig zu dieser Wertübertragung ist der Arbeitsprozess. Auffällig dabei: Arbeit soll auf der einen Seite Wert schaffen, auf der anderen Seite Wert übertragen. Marx spricht deshalb vom „doppelseitigen“ Charakter der Arbeit. Da der Arbeiter nur „einmal in der selben Zeit arbeitet“, ist es notwendig zu schauen wie vor allem der Wertbildungsprozess von statten geht. Er sagt dazu: die Produktion des Arbeiters ist deshalb wertbildend, „nicht weil seine Arbeit einen besondren nützlichen Inhalt hat, sondern weil sie eine bestimmte Zeit dauert.“ (S.215)
Da also die Zeit ausschlaggebend ist, sie notwendiger Teil des Verwertungsprozesses von „verkaufter Arbeitskraft“ ist, ermöglicht sie den Produktionsprozess einen Mehrwert hinzuzufügen. Damit setzt sich der Wert eines Produktes aus mehreren Teilen zusammen nämlich dem Wert der Rohstoffe bzw. Produktionsmittel, dem Wert der Arbeit und dem aus der Arbeit gewonnenen Mehrwert. (MEW S.223) Die Unterscheidung zwischen den einzelnen wertbildenden Teilen ist für Marx deshalb so wichtig, da sie auch eigene Eigenschaften besitzen. Für den Wert der Produktionsmittel leitet er ab, dass sich unabhängig davon ob die Produktionsmittel instabil in ihrem Wert sind also z.B. Holz im Winter teurer ist als im Sommer, dennoch der Wert sich konstant im Produktionsprozess überträgt. So folgert Marx:
„Der Teil des Kapitals also, der sich in Produktionsmittel, d.h. in Rohmaterial, Hilfsstoffe und Arbeitsmittel umsetzt, verändert seiner Wertgröße nicht im Produktionsprozeß. Ich nenne ihn daher konstanten Kapitalteil, oder kürzer: Konstantes Kapital.“(MEWS.223) Der Wert der Arbeit und damit auch der Mehrwert hängt im Gegensatz zum konstanten Kapital von seiner Verwertung ab. Er wird deshalb von Marx auch als variabel bezeichnet:„Der in Arbeitskraft umgesetzte Teil des Kapitals verändert dagegen seinen Wert im Produktionsprozeß. Er reproduziert sein eignes Äquivalent und einen Überschuß darüber, Mehrwert, der selbst wechseln, größer oder kleiner sein kann. Aus einer konstanten Größe verwandelt sich dieser Teil des Kapitals fortwährend in eine variable. Ich nenne ihn daher variablen Kapitalteil, oder kürzer: variables Kapital“(MEW S.224)