22. Kapitel -Die Verwandlung von Mehrwert in Kapital

Genau das ist Akkumulation des Kapitals, die Verwendung des Mehrwerts als Kapital. Als Bedingung muss dabei wieder mitgedacht werden, dass das Produkt seinen Wert realisiert haben muss,verkauft worden sein muss.
Von der Stufe der einfachen Reproduktion gehen wir jetzt einen Schritt weiter. Denn, eigentlich einleuchtend, wenn das Kapital stets bestrebt ist, Mehrwert zu produzieren, also sich selbst auszudehnen, dann ist es nur konsequent wenn nicht den ganzen, dann doch zumindest einen Teil des Mehrwerts wieder in den Verwertungsprozess zu geben, um mit vergrößertem Kapital einen vergrößerten Mehrwert zu erzielen, der dann wiederum das Kapital vergrößert usw.
Akkumulation: 10000 € reproduzieren sich und einen Mehrwert von 2.000 €, wird diese gesamte Summe kapitalisiert, reproduzieren sich 12.000 € und erzeugen einen höheren Mehrwert von 2.400 €. Wird der auch zum Kapital gepackt(=14.400 €), kann wieder ein höherer Mehrwert erzielt werden. Usw.
Wichtige Eigenschaft der Akkumulation ist, dass nur so die Produktion überhaupt ausgedehnt, verbessert werden kann.
Wird der Mehrwert zu Kapital, werden neben neuen Produktionsmitteln auch neue Arbeiter benötigt. Das ist aber wie oben gesehen nicht wirklich ein Problem, wie schon im letzten Kapitel beschrieben, sorgt die Lohnarbeit an sich schon für die regelmäßige Reproduktion der Arbeiterklasse. Sind keine neuen Arbeiter vorhanden, kann der Mehrwert des Kapitals nur durch die bekannten Praktiken maximiert werden. Sind diese ausgeschöpft, ist das Wachstum an seine Grenze gestoßen und wartet dort bis neue Arbeiter kommen.
So wird Kapital durch Kapital erzeugt. Das ist der Ursprung von dem, was man heute „sein Geld arbeiten lassen“ nennt. Und ich habe gesagt, dass der Kapitalist durch die Lohnarbeit den Lohnarbeiter so, wie er ist, reproduziert. Er kann das Kapitalverhältnis sogar noch ausbauen, ist unbedingt bestrebt, dies zu tun. Denn: „Je mehr der Kapitalist akkumuliert hat, desto mehr kann er akkumulieren.“(609) Er muss also noch mehr Arbeiter beschäftigen, da er mehr Kapital zur Verfügung hat als vorher.
Der Kapitalist wird durch den ewig erhöhten Mehrwert immer reicher und einflussreicher, ideal gesehen, der Arbeiter bleibt auf seiner Stufe stehen. Eine immer weiter voranschreitende Ungerechtigkeit scheint sich da aufzutun. Während der Arbeiter arm bleibt, produziert er für den Kapitalisten, der seinen Reichtum stets vergrößern kann.
Der Mehrwert des Arbeitsprozesses wurde allerdings mit dem Ursprungskapital gekauft. Der Tausch von Arbeitskraft gegen ihren Wert in Geld ist prinzipiell rechtmäßig. Und auch jede weitere Anwendung des angeeigneten Mehrwerts seitens des Kapitalisten, um neue Arbeiter zu beschäftigen bzw. alte weiter auszubeuten.
Allerdings werden die Gesetze des Warentausches irgendwie verkehrt. Es scheint gar kein richtiger Tausch stattzufinden, allein dadurch, dass der Arbeiter selbst den Lohn, den er erhält, erarbeiten muss. Die Betrachtungsweise als Äquivalententausch scheint unangemessen. Denn das Fundamentalprinzip des Warentausches(basierend auf Arbeitszeit), dass einem das gehört, was man selber produziert hat, scheint verletzt. Denn wie schon gesagt, gehört das Produkt, das der Arbeiter fertigt, dem Kapitalisten, der dafür keinen Finger krumm gemacht hat. Jedoch: Der Verkauf der Arbeitskraft erfüllt alle Bedingungen des Äquivalententausches, denn zum Beispiel haben beide Waren den gleichen Tauschwert, nur ihr Gebrauchswert ist verschieden. Das jedoch ist normal und die Besonderheit der Ware Arbeitskraft tut dem keinen Abbruch. Auch wenn die Produktionsmittel systematisch von den Produzenten ferngehalten werden, hat dieser ganze Prozess den legalen Warentausch als Grundlage.
Die Warenproduktion wird, ihren immanenten Gesetzen folgend, zur kapitalistischen Produktion. An dem Punkt, wo jemand seine Arbeitskraft verkauft, wird die Warenproduktion kapitalistisch. Also werden auch die Eigentumsgesetze der Warenproduktion notwendig und legal zu Gesetzen der kapitalistischen Aneignung. Verkauft jemand seine Arbeitskraft, wird sein Produkt rechtmäßig von ihm entfernt und nur der Lohnanteil daran ausbezahlt. Den Gesetzen der kapitalistischen Akkumulation folgend, wird auch klar: „Erst da, wo die Lohnarbeit ihre Basis, zwingt die Warenproduktion sich der gesamten Gesellschaft auf;“(613) Denn das Kapital benötigt zu seiner steten Akkumulation frisches Arbeiterblut und dies funktioniert erst wirklich, wenn dem Arbeiter zunehmend keine Alternative mehr bleibt.

Im Weiteren geht Marx auf die Teilung des Mehrwerts in Einkommen des Kapitalisten und Kapital zur Akkumulation ein. Diese Teilung stellt einen Willensakt des Kapitalisten dar. Er kann entscheiden, wie er das Verhältnis ansetzt. Der Arme ist dabei gespalten in die Person, die möglichst angenehm konsumieren möchte und andererseits als bloße Personifikation des Kapitals an der Verwertung des Mehrwerts interessiert sein muss. Dieser Trieb ist auch nur die „Wirkung des gesellschaftlichen Mechanismus, worin er nur ein Triebrad ist.“(618) Die Kapitalakkumulation wird durch die Zwangsgesetze der Konkurrenz vom Kapitalisten gefordert! Er ist genauso nur Erfüllungsgehilfe des Kapitals wie der arme Proletarier.
Hier gibt Marx auch eine Genese des Manchester- Kapitalisten in diesem Dilemma an: Im frühen Stadium musste der Fabrikant noch hart in der Fabrik mitarbeiten und behielt nur wenig für sich. Im zweiten Stadium hat er langsam ein wachsendes Vermögen angehäuft, arbeitet aber weiter. Auf der dritten Stufe entfaltet er endlich den Luxus, den er zur Schaustellung seiner Kreditwürdigkeit benötigt, ermöglicht durch die Ausweitung des Geschäfts durch erfolgreiche Akkumulation. Hier zitiert Marx einen Dr. Aikin, der behauptet, dass die ersten größeren Kapitalmassen nicht vor 1690 entstanden sind, diesen Prozess also auch historisch verortet. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts verortet Marx dann auch das vierte Stadium, geprägt von großem Luxus gestützt durch die weitere Ausdehnung des Geschäfts.
Die bürgerlichen Ökonomen, namentlich Nassau W. Senior, setzten die Verwandlung von Mehrwert in Kapital der Abstinenz, der Entsagung gleich. Dies ging so weit, dass 1. dem Arbeiter nur unter großem Opfer die Produktionsmittel für seine Arbeit, also auch zur Selbstreproduktion geliehen werden, und 2. der gesamte Reichtum, aller Fortschritt nur durch die Entsagung des Kapitalisten erreicht worden sein soll. Mitleid ist hier in großem Maße angebracht!!!!!!!!!! Denn der Kapitalist steckt in der Zwickmühle, seine eigenen Bedürfnisse sofort zu befriedigen und dem Mehrwert einen möglichst großen Konsumtionsfonds abzuzwacken oder bloß durch Kapitalisierung eines möglichst großen Teils des Mehrwerts sein zukünftiges Einkommen zu erhöhen. Er ist nicht in der leicht zu lösenden Problematik gefangen, entweder zu arbeiten oder sich andererseits der Selbstreproduktion zu enthalten, in der der Arbeiter steckt.

Bei gegebenem Mehrwert hängt die Größe der Akkumulation von seiner Teilung in Revenue und Kapital ab. Ist dieses Teilungsverhältnis gegeben, hängt die Masse des Mehrwerts, und damit auch die Größe der Akkumulation von folgenden Bedingungen ab:

Von der Produktion des absoluten Mehrwerts durch Verlängerung des Arbeitstages. In der extraktiven Industrie muss in diesem Fall noch nicht mal konstantes Kapital für die Produktionsmittel vorgeschossen werden. (Auch durch die Intensivierung der Arbeit wird die Mehrwertmasse erhöht, ohne das konstantes Kapital vorgeschossen werden müsste.)
Dazu gehört das nicht rechtmäßige Drücken der Löhne, d.h. die gewaltsame Herabsetzung der Arbeitslöhne unter ihren Wert, die trotz alledem der ständigen Tendenz des Kapitals entspricht und auch praktisch von erheblicher Relevanz ist. Auch die Löhne zu drücken indem die Arbeiter durch sukzessive Senkung des Lohns an die kargen Lebensbedingungen gewöhnt werden, gehört dazu. So wurden horrende Gewinne erzielt.

Von der Produktion des relativen Mehrwerts, also der Produktivkraftsteigerung. Insofern die gesamtgesellschaftliche Produktivkraft steigt, wird der Wert der Arbeitskraft billiger und so nimmt die Rate des Mehrwertes zu, bei gleich bleibenden Umständen also auch seine absolute Masse.
Des weiteren können neue Kapitalstoffe, also neue Rohstoffe für die Produktion durch eine Produktivkraftsteigerung gefunden werden.

Ebenso beschleunigt sich die Akkumulation, denn durch die größere Produktivkraft, also die Herstellung von mehr Waren pro Zeiteinheit, wird mehr konstantes Kapital (in Form von Rohstoffen) in der gleichen Zeit auf ein Produkt übertragen und somit wieder zu Kapital gemacht (z.B mehr Garn pro Tag). Alter Wert(z.B der Baumwolle, des Spinnrads) wird also erhalten und entgeht so u.A. einem möglichen moralischen Verschleiß. Der beschleunigt sich allerdings mit dem Wachsen der Produktivkraft und kann teilweise zu Kapitalentwertung z. B. alter Maschinen führen, was dann meistens die Arbeiter ausbaden müssen.

Von der „Differenz zwischen angewandtem und konsumiertem Kapital.“(635). Denn mit steigender Produktivkraft werden die Produktionsmittel produktiver, d.h. ihre steigende Wertmasse geben sie langsamer an das Produkt ab, können mehr produzieren, also auch mehr Wert in Form von Rohstoffen erhalten. Sie helfen dabei, mehr Wert in gegebener Zeiteinheit zu übertragen. So wird die Akkumulation noch einmal beschleunigt.

Schließlich von der Masse des Kapitals. Bei gegebener Rate des Mehrwertes kann seine Masse nur durch die Exploitation von mehr Arbeitern steigen, also durch eine größere Kapitalmasse. Wie schon gesagt, je mehr Akkumulation stattfand, desto mehr Akkumulation kann stattfinden.

Marx kommt zum Ende dieses Kapitels noch zum Arbeitsfond, also der Masse der Lebensmittel der Arbeiter. Durch die ganzen oben genannten Mechanismen ist der erzeugte Mehrwert durch ein gegebenes Kapital keine fixe Größe, so auch nicht das weitere Kapital, dass im Akkumulationsprozess erzeugt wird.
Die bürgerlichen Ökonomen allerdings haben immer wieder das Dogma aufgestellt, das das Kapital eine fixe Größe und einen fixen Wirkungsgrad besitze. Das ist natürlich eine parteiische und tendenziöse Behauptung, hauptsächlich dem Interesse geschuldet, das variable Kapital(also den Wert der Arbeitskraft) als nicht verhandelbare Größe darzustellen. Somit sollen die Arbeiter von der Mitbestimmung des Verhältnisses von konstantem und variablem Kapital ferngehalten werden. Klassenkämpfe um höhere Löhne, Erhöhung des Wertes der Arbeitskraft scheinen so unnötig, weil unmöglich. Das gipfelt in der Behauptung, das die tatsächlich gezahlten Löhne als fixe Gesamtmasse gelten sollen, die den Lohn aller Arbeiter darstellt und nicht veränderbar ist.