17. Kapitel: Verwandlung von Wert resp. Preis der Arbeitskraft in Arbeitslohn

Auf der Oberfläche der kapitalistisch verfassten Gesellschaften erscheint es so, als ob dem Arbeiter mit dem Lohn seine Arbeit entgolten wird – er erhält ein bestimmtes Quantum Geld für ein bestimmtes Quantum Arbeit. Würde dies allerdings der Fall sein, so wäre die Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise – die Aneignung von Mehrarbeit – aufgehoben. Der Arbeiter verkauft also nicht Arbeit, sondern etwas anderes:

„Was dem Geldbesitzer auf dem Warenmarkt direkt gegenübertritt, ist in der Tat nicht die Arbeit, sondern der Arbeiter. Was letztrer verkauft, ist seine Arbeitskraft. Sobald seine Arbeit wirklich beginnt, hat sie bereits aufgehört, ihm zu gehören, kann also nicht mehr von ihm verkauft werden. Die Arbeit ist die Substanz und das immanente Maß der Werte, aber sie selbst hat keinen Wert.“ ( S. 559 )

D.h. der Arbeiter verkauft eine Potenz zu arbeiten, nicht die Arbeit selbst und erhält so viel wie zur Reproduktion dieser Potenz nötig ist. Über die Anwendung dieser Potenz hat nicht mehr er zu verfügen, sondern der Käufer, der sie dann eben auch seinen Zwecken gemäß, eben Wert bildend, zur Anwendung bringt. Der Kapitalist lässt dementsprechend „die Arbeitskraft stets länger funktionieren, als zur Reproduktion ihres eignen Werts nötig ist.“ ( S. 561 )

In der Form des Arbeitslohns wird die Trennung des Arbeitstages in notwendige und Mehrarbeit zugunsten der Fiktion ausgelöscht, alle Arbeit sei bezahlt. Es entsteht der Schein, der Arbeiter arbeite nur für sich, während er doch für den Kapitalisten arbeitet: „Auf dieser Erscheinungsform, die das wirkliche Verhältnis unsichtbar macht und grade sein Gegenteil zeigt, beruhn alle Rechtsvorstellungen des Arbeiters wie des Kapitalisten, alle Mystifikationen der kapitalistischen Produktionsweise, alle ihre Freiheitsillusionen, alle apologetischen Flausen der Vulgärökonomie.“ ( S. 562 )