Karl Marx- Das Kapital

KAP. 14 ABSOLUTER UND RELATIVER MEHRWERT:

Der unmittelbare Arbeitsprozess ist abstrakt betrachtet ein Prozess zwischen Mensch und Natur. Ein individueller Arbeiter benutzt Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstände, diese zwei Dinge sind seine Produktionsmittel, um sich die Naturgegenstände anzueignen, die er zu seinen Lebenszwecken benötigt. Hierbei kontrolliert er sich selbst. Er verausgabt zu diesem Zweck sowohl Kopfarbeit als auch Handarbeit, doch mit dem Einsetzen der kapitalistischen Produktionsweise brechen diverse Änderungen über ihn ein. Nun wird er von seinem unmittelbaren Produkt getrennt und es verwandelt sich in ein gemeinsames Produkt eines Gesamtarbeiters. Durch diesen kooperativen Charakter des Arbeitsprozesses wird es notwendig den Begriff der produktiven Arbeit und des produktiven Arbeiters neu zu fassen.
Der einzelne Arbeiter wird dem Gesamtarbeiter als Organ einverleibt und fungiert als dessen Unterfunktion im Arbeitsprozess. Außerdem gilt jetzt nur noch der Arbeiter als produktiv, der Mehrwert schöpft, denn: „Nur der Arbeiter ist produktiv, der Mehrwert für den Kapitalisten produziert oder zur Selbstverwertung des Kapitals dient.“ (S.532). Somit wird der Arbeiter zu einem unmittelbaren Verwertungsmittel des Kapitals herabgewürdigt. Sein produktives Arbeiten, das früher in einem Verhältnis zwischen Tätigkeit und Nutzeffekt bestanden hat, kehrt sich um in ein geschichtlich entstandenes Produktionsverhältnis. Doch wie kann dieser Mehrwert entstehen? Wir haben bereits gesehen, dass diese Mehrwertanhäufung durch zwei Prozesse entsehen kann. Einerseits durch den absoluten Mehrwert und andererseits durch den relativen Mehrwert. Aber um diese Ausbeutung bewerkstelligen zu können muss die kapitalistische Produktionsweise zuerst die naturwüchsige Subsumtion der Arbeit unter das Kapital ausgebildet haben um dadurch später aus der rein formellen eine reelle Subsumtion der Arbeit unter das Kapital ausbilden zu können. Zur Verdeutlichung der formellen Subsumtion: diese gilt z.B. für einen Handwerker, der bisher für sich gearbeitet hat und in der kapitalistischen Produktionsweise nun zum Lohnarbeiter unter der direkten Kontrolle des Kapitals wird. Sobald dieses Verhältnis allgemeine, gesellschaftlich herrschende Produktionsform ist die reelle Subsumtion gegeben.
Die Methoden zur Produktion des relativen Mehrwerts sind zugleich Methoden zur Produktion des absoluten Mehrwerts.
Zudem weist Marx darauf hin, dass:

„Von einem gewissen Gesichtspunkt scheint der Unterschied zwischen absolutem und relativem Mehrwert überhaupt illusorisch. Der relative Mehrwert ist absolut, denn er bedingt absolute Verlängrung des Arbeitstags über die zur Existenz des Arbeiters selbst notwendige Arbeitszeit. Der absolute Mehrwert ist relativ, denn er bedingt eine Entwicklung der Arbeitsproduktivität, welche erlaubt, die notwendige Arbeitzeit auf einen Teil des Arbeitstags zu beschränken.“ (S.533f.).

Jedoch bleibt der Unterschied fühlbar, wenn kapitalistische Produktionsweise herrscht, nämlich indem es darum geht die Rate des Mehrwerts überhaupt zu steigern:

„Vorausgesetzt, die Arbeitskraft werde zu ihrem Wert bezahlt, stehn wir dann vor dieser Alternative: Die Produktivkraft der Arbeit und ihren Normalgrad von Intensität gegeben, ist die Rate des Mehrwerts nur erhöhbar durch absolute Verlängrung des Arbeitstags; andrerseits, bei gegebner Grenze des Arbeitstags, ist die Rate des Mehrwerts nur erhöhbar durch relativen Größenwechsel seiner Bestandteile, der notwendigen Arbeit und der Mehrarbeit, was seinerseits, soll der Lohn nicht unter den Wert der Arbeitskraft sinken, Wechsel in der Produktivität oder Intensität der Arbeit voraussetzt.“ (S.534)

Daraus folgt, dass ein Mensch der seine ganze Arbeitszeit dazu benötigt, dass er seine Lebensmittel herstellen kann eine Großbesitzerklasse [Kapitalisten/Sklavenhalter] unmöglich machen würde, da der Produktivitätsgrad seiner Arbeit Mehrwertakkumulation verbietet. Es gibt also eine Naturbasis des Mehrwerts. Sobald es zu ersten Formen vergesellschaftlichter Arbeit kommt„treten Verhältnisse ein, worin die Mehrarbeit des einen zur Existenzbedingung des anderen wird.“ (S.535)
Schauen wir uns nun an, an was die Produktivität der Arbeit gebunden ist. Sie ist an den Menschen selbst gebunden (race) und an seine äußeren Naturbedingungen, die besser oder schlechter sein können und sich aus natürlichem Reichtum an Lebensmitteln und natürlichem Reichtum an Arbeitsmitteln zusammensetzten. Interessant ist, dass aber ein paradiesischer Überfluss, also eine geringe notwendige Arbeitszeit, nicht notwendig das beste Milieu ist für das Wachstum der kapitalistischen Produktionsweise:

„Die Notwendigkeit, eine Naturkraft gesellschaftlich zu kontrollieren, damit hauszuhalten, sie durch Werke von Menschenhand auf großem Maßstab erst anzueignen oder zu zähmen, spielt die entscheidendste Rolle in der Geschichte der Industrie.“ (S.537).