Eine halbwegs komplette Kenntnis des Marxismus kostet heut, wie mir ein Kollege versichert hat, zwanzigtausend bis fünfundzwanzigtausend Goldmark und das ist dann ohne die Schikanen. Darunter kriegen Sie nichts Richtiges, höchstens so einen minderwertigen Marxismus ohne Hegel oder einen, wo der Ricardo fehlt usw. Mein Kollege rechnet übrigens nur die Kosten für die Bücher, die Hochschulgebühren und die Arbeitsstunden und nicht was Ihnen entgeht durch Schwierigkeiten in Ihrer Karriere oder gelegentliche Inhaftierung, und er läßt weg, daß die Leistungen in bürgerlichen Berufen bedenklich sinken nach einer gründlichen Marxlektüre; in bestimmten Fächern wie Geschichte oder Philosophie werdens nie wieder wirklich gut sein, wenns den Marx durchgegangen sind.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche


2 Antworten auf “”


  1. 1 teilnehmer68 15. Mai 2007 um 18:44 Uhr

    Da man augenscheinlich nach diesem Seminar bzw. der Lektüre von Marx keinen grundständigen Beruf mehr ausüben kann, bin ich froh das es keine fünfundzwanzigtausend Goldmark kostet :)
    Auch wenn ich Anfangs glaubte im falschen Film zu sein, hat sich doch inzwischen die Diskussion und deren Sachlichkeit erheblich verbessert, so das es auf jeden Fall eine lohnens(wert)e Veranstaltung darstellt. Grundsätzlich empfehlenswert ist auf jeden Fall noch die Lektüre eines VWL Buches, um dem ganzen noch etwas mehr Trennschärfe zu verleihen. Zu dem Thema alternative Gesellschaftsentwürfe halte ich mich bedeckt, doch dieses Werk erfordert wohl an einigen Stellen eine solche Diskussion.

  2. 2 teilnehmer69 07. Juni 2007 um 17:25 Uhr

    Ich habe einen interessanten Blog gefunden, der von relativ berühmten Volkswirten geführt wird und sich auf die Fahne geschrieben hat, dass er erklärt, wie der Kapitalismus funktioniert(recht verwegen!):

    http://blog.zeit.de/herdentrieb/

    Eine andere Werbung für diesen Blog schrieb, dass wer nur mit dem Rüstzeug des Äquivalententauschs an die Wirtschaft ran geht, nicht weit kommt. Da habe ich mich leicht provoziert gefühlt, hat denn nicht Marx Analyse bisher schon mal ganz gute Dienste geleistet?
    Jedenfalls, es werden so einige Phänomene beleuchtet, kommentiert, die einen Volkswirtschaftler interessieren. Es ist ziemlich kompliziert, aber für die Auseinandersetzung mit moderner „bürgerlicher Ökonomie“ vielleicht gar nicht so schlecht. Wobei ich hinzufügen muss, dass die Blogger dort auch eine eher konträre Haltung zu vielen kleinen Themen gegenüber der orthodoxen VWL annehmen.
    Viel Spaß damit!

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